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Recycling von Windkraftanlagen - Herausforderungen und Lösungen

  • 3. November 2021
  • Eurecum GmbH & Co. KG, Kasseler Str. 46, 06295 Lutherstadt Eisleben &
    Kloster St. Marien zu Helfta, Lindenstraße 36, 06295 Lutherstadt Eisleben

  • Vorträge

 

 


Ein Blick hinter die Kulissen und spannende Vorträge: Zerkleinerung und Recycling von Windkraftanlagen

Nachhaltiges Recycling von Rotorblättern und wirtschaftliche Wiederverwertung der daraus entstandenen Sekundärrohstoffe gibt es nicht? Doch.

Beim CIO-Arbeitskreis Kreislaufwirtschaft „Recycling von Windkraftanlagen - Herausforderungen und Lösungen“ am 3. November 2021 wurde mit über 20 Teilnehmenden darüber diskutiert und erfolgreich neue Kontakte geknüpft.

Gastgeber des Arbeitskreises war die Eurecum GmbH & Co. KG aus Lutherstadt Eisleben. Das Recyclingunternehmen hat im Jahr 2020 ein innovatives Verfahren entwickelt und sich somit innerhalb kürzester Zeit einen Ruf als Spezialist deutschland- und europaweit erarbeitet.
Gestartet wurde der Arbeitskreis mit einem Blick hinter die Kulissen von Eurecum. Dr. Mansour Dlikan, Fachberater für Umweltschutz bei Eurecum, zeigte eindrucksvoll die Produktionsstätte: die Lagerung der zerteilten Rotorblätter, den Umschlagbagger, die Verarbeitungsstrecke zur Separierung der Bauteile und beantwortete die Fragen der Teilnehmenden.

In der anschließenden Vortragsrunde stellte Gesa Kupferschmidt vom Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt (MWU) die gesetzlichen Rahmenbedingungen vor. Gleichzeitig wies sie auf noch ungeklärte Fragstellungen hin, beispielsweise, dass es für die Verbundwerkstoffe GFK & CFK noch keine spezifischen Abfallschlüsselnummern gibt und fragte die Teilnehmenden nach deren Herausforderungen sowie den sich daraus ergebenden möglichen Aufgaben an die Politik.

Siemens Gamesa, die weltweit die ersten recyclingbaren Rotorblätter für den kommerziellen Einsatz auf See eingeführt haben, zeigten ihren Weg des Kreislaufes auf. Jeanette Haenseroth, Innovation Manager bei Siemens Gamesa in Hamburg, verdeutlichte, wie mit einer milden sauren Lösung bei erhöhte Temperatur am Lebensende der (neuen) Rotorblätter das Harz aufgelöst und die Komponenten wieder neuen Anwendungen zugeführt werden können. Ferner engagiert sich Siemens Gamesa in verschiedenen teils branchenübergreifenden Forschungsprojekten zu gemeinsamen Lösungen für das Recycling von bereits installierten Rotorblättern.

Alexander von Neuhoff, Geschäftsführer Eurecum GmbH & Co. KG, verdeutlichte in seinem Vortrag sein Vorgehen zum Aufbau des innovativen Verfahrens. Schwerpunkt war die Suche nach effizienten Zerkleinerungslösungen vor Ort. Die abmontierten Rotorblätter werden vor Ort von einem CAT-Umschlagbagger mit Kemrogsäge zerschnitten und zu Eurecum transportiert. Dort erfolgt das Trennen der Materialien voneinander, die dann bis zu einem industriell wertvollen, wiederverwertbaren GFK-Granulat zerkleinert werden. Mit der Firma NOVO-TECH GmbH & Co. KG aus Aschersleben gibt es bereits einen Abnehmer, der hieraus – in Verbindung mit Holzfasern - Terrassendielen, Fassaden¬elemente und viele weitere nachhaltige Produkte produziert und erfolgreich vermarktet.

Dass die Zusammenarbeit sehr gut und befruchtend ist, bestätigte Holger Sasse, Geschäftsführer der NOVO-TECH GmbH & Co. KG. In seinem Vortrag schloss er den Kreis zum Cradle to Cradle-Prinzip. Der wichtigste Punkt und gleichzeitig auch Ausgangsbasis für Recycling ist die Materialgesundheit. Human- und ökotoxikologische Unbedenklichkeit - also gesunde Inhaltsstoffe - sind die Voraussetzung dafür, dass Produkte in biologische und technische Kreisläufe aufgenommen werden können. Sein Werkstoff „German Compact Composite“, kurz GCC, ist Cradle to Cradle- Gold zertifiziert. Somit profitieren sämtliche aus diesem Werkstoff hergestellten Produkte aller Marken von der Auszeichnung.

Mit einem Blick in die Forschungslandschaft durch Susanne Kroll, Gruppenleiterin Hochleistungsverbunde beim Dresdner Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU, schloss der Arbeitskreis. In ihrem Beitrag "Zirkuläre Strategien für Faserverbundbauteile wie Rotorblätter von Windkraftanlagen" ging sie auf Herausforderungen von Faserverbundstrukturen im Rahmen der Kreislaufwirtschaft ein. Darüber hinaus verdeutlichten innovative Lösungsansätze aus dem Forschungsprojekt FiberEUse die Verwertung von recycelten Kohlenstoff- und Glasfasern. In dem Zusammenhang wurde dargestellt, wie das Fraunhofer IWU thermisch recycelte Kohlenstofffasern zur Herstellung von BMC-Platten und -Bauteilen nutzt.

Anregende Diskussionen sowohl während der Vorträge als auch in bilateralen Gesprächen zwischen den Teilnehmenden zeigten deutlich, wie aktuell das Thema ist.

Die freigegebenen Präsentationen sind abrufbar unter: https://www.cleantech-ost.de/angebote/arbeitskreise/kreislaufwirtschaft/8-arbeitskreis-treffen/praesentationen/


Bei Fragen steht Ihnen das Team der CIO gern zur Verfügung.